Rodrigues - Besuch am Ende der Welt
Rodrigues (siehe Google Earth, Koordinaten: 19°43' S / 63°25' O) ist nach der Hauptinsel die zweitgrößte mauritische Insel und nach Réunion die drittgrößte der Maskarenen. Sie liegt etwa 560km östlich von Mauritius und gehört somit zu den abgelegensten Inseln des Indischen Ozeans. Sie ist nur 18km lang, 8km breit und wird von knapp 40.000 Rodriguesern bevölkert.
Mit Olivia (meine französische WG-Mitbewohnerin) und Anne (eine US-amerikanische Kommilitonin) war ich für 6 Tage dort in Urlaub. Das Schiff braucht etwa 30h pro Strecke, weswegen wir für unser Inselhopping Air Mauritius bevorzugt haben.
Die Landebahn ist beim Bau wohl etwas zu kurz gekommen, sodass der Pilot ordentlich in die Eisen steigen musste. Der Flughafen ist echt winzig. Das erste, was uns beim Landeanflug aufgefallen ist, war die riesige Lagune, welche Rodrigues auf der Westseite umgibt.
Wir hatten uns in der Hauptstadt Port Mathurin (Stadt ist völlig übertrieben) ein preiswertes Gästehaus gebucht. Wir kamen samstagmorgens an und sind gleich mal auf den Markt.
Da gibt’s neben den üblichen Lebensmitteln vor allem Flechtwerk zu kaufen. Bekanntestes Souvenir von Rodrigues ist der Strohhut, sodass ich mir auch gleich mal einen gekauft habe.
Im Supermarkt gabs nicht nur den üblichen Langnese-Verschnitt Miko, sondern auch eine Gefriertruhe mit Pilons. Hm. Wenn meine einheimischen Kommilitonen sich unterhalten, beenden sie fast jeden Satz mit Pilon, und das bedeutet Schwuchtel. Ich hab mich dann beim Personal erkundigt und erfahren, dass es eigentlich Hähnchenkeule heißt.Aha! Wieder was gelernt.
Auch vor den Supermärkten am Ende der Welt macht die Globalisierung nicht halt:
Am Tag nach unserer Ankunft waren Regionalwahlen auf Rodrigues. Dieses spektakuläre Ereignis hat für die erste Hälfte unseres Aufenthalts das Inselleben dominiert bzw. blockiert. 3 Tage mussten alle Kneipen und Diskos geschlossen bleiben und es gab keinen Alkohol. Die Busse fuhren so gut wie gar nicht und auch sämtliche Mietwagen der Insel waren für den Wahlkampf im Einsatz. Auf Rodrigues funktionieren auch die SIM-Karten von der Hauptinsel nur mit hohen Einschränkungen. Telekommunikation, Mobilität & Nachtleben: Fehlanzeige. Rien ne vas plus. Willkommen am Arsch der Welt! Weil erstmals seit der Unabhängigkeit vor Jahrzehnten die alte Regierung abgelöst wurde, gabs ordentlich Grund zum Feiern. Aber auch die neuen Oppositionellen haben das Ergebnis akzeptiert und mitgefeiert.
Glücklicherweise kommt ein Kollege aus meinem Uni-Volleyball-Team von Rodrigues: Richard. Auch er hatte alle Prüfungen hinter sich und war schon zu Hause.
Ihn haben wir Sonntag besucht und sind dann die Südostküste entlang gewandert. Da reiht sich eine einsame Traumbucht an die nächste…
Montags haben wir ihn eingeladen auf einem Boots-Trip zur paradiesischen Ile aux Cocos (vgl. Karte oben), da war er nämlich noch nie!? Er hat gerade sein 1. Semester hinter sich und konnte zu diesem Anlass erstmals Rodrigues verlassen.
Auf der Insel gibt es jede Menge besonderer Vögel, wie z.B. die Feenseeschwalbe:
Die Noddi-Seeschwalben brüten unter den Bäumen am Strand. Unwissende Touristen, welche sich zu nahe an die Nester heran begaben, wurden (wie von Seeschwalben nicht anders zu erwarten) gleich aggressiv attackiert, wobei einem wirklich Angst und Bange wurde.
Dienstag konnten wir dann endlich einen Mietwagen bekommen (24€ für 24h). Die Hauptstraße vom Flughafen zum Hauptort ist sehr gut ausgebaut, eine handvoll weiterer Straßen zu den wichtigsten restlichen Orten auch, aber der große Rest ist in schlechtem Zustand und teilweise nicht asphaltiert. Anstatt die Straßenqualität zu verbessern, fährt jeder nen 5-Sitzer PickUp-Truck mit Allrad-Antrieb - ca. 90% der Fahrzeuge auf Rodrigues sind von diesem Typ. Jedes Taxi und jeder Mietwagen natürlich auch.
In Port Mathurin ist die einzige Tankstelle der ganzen Insel. Süß, ne?
Wir haben also ne ausgiebige Inseltour gemacht und weitere schöne Eindrücke gesammelt. Landestypische Flammenbäume haben gerade ihre Blütezeit (es ist hier Ende Frühling!):
Palmen an der Südküste:
Das Pfefferkuchenhaus von Hänsel und Gretel:
Die etwa 1km lange Tropfsteinhöhle Caverne Patate (Kartoffelhöhle) ist angeblich die größte Sehenswürdigkeit hier. Ein Führer hat uns dann die bizarr geformten Stalagtiten & Stalagmiten gezeigt, worin er immer irgendwelche Gebilde zu sehen meinte wie z.B. Winston Churchill, den Buckingham Palace, `nen Flughund etc. Naja. Also mit den landesüblichen Methoden zur Bewusstseinserweiterung hätte man das sicher alles gut nachvollziehen können…
Bei unserer Inseltour haben wir einen einheimischen Fischer kennengelernt, der uns dann Mittwoch auf ne Tour durch die Lagune mitgenommen hat: Monsieur Legolft.
Ich hatte zum ersten Mal seit meiner Prüfung für den Motorbootführerschein vor über 6 Jahren die Gelegenheit, mal wieder selber am Steuer zu sitzen.
Auf der Ile Hermitage (Einsiedlerinsel) haben wir dann Mittagspause mit Picknick gemacht und sind etwas auf den Felsen rumgeklettert.
Weil’s so schön war, haben wir am nächsten Tag noch mal nen Trip mit ihm gemacht. Er hat immer mal wieder angehalten an den schönsten Schnorchelplätzen, wo wir dann rausspringen konnten um uns die unberührten Korallengärten in der Lagune von Rodrigues anzuschauen.
Er hat sogar auch Equipment zum Angeln mitgebracht.
Mit seiner antiken Handangel habe ich dann beim Schleppfischen sogar ne Stachelmakrele erbeutet. Abends hat er uns zu sich nach Hause eingeladen und seine Frau hat die geangelten Fische für uns zubereitet.
Rodrigues hat große wirtschaftliche Probleme, da die alten Erwerbszweige unrentabel werden und der Tourismus nicht so wirklich in Gang kommt. Das mag auch an staatlichen Regulierungen liegen, welche eine langsame und hoffentlich auch nachhaltigere Entwicklung fördern. Allerdings musste die Ecotourisme Rodrigues LTD neun Tage vor unserer Ankunft leider wegen Pleite dicht machen.
Rodrigues ist echt eine Reise wert. Der Urlaub hat mir super gefallen. Während die Kultur auf Mauritius mehr an Asien erinnert, hat man auf Rodrigues deutlich gemerkt, dass man wirklich in Afrika ist.



4 Comments:
Bei ihm ist alles vorbei, bei mir fängt die Scheiße erst an...
Fröhliche Weihnachten quer über den indischen Ozean!
25 Dezember, 2006 19:30
bäbäbäbäbbäbähh
wir essen dir alle anisplätzchen weg!! :P aber bei der hitze würden die sowieso nicht schmecken...
eine schöne weihnachtszeit noch und liebe grüße aus good old germany!
christmas is just not the same without our darling... :(
26 Dezember, 2006 15:29
Ich glaub zwar nicht,dass ich dich über einen Kommentar erreiche, will es aber dennoch versuchen. Hab gerade beim blog googeln deinen Blog gefunden und das posting zu Rodrigues, was ich sehr witzig finde. Lebe selbst seit 10 Jahrenhier und habe vor 2 Wochen einen Rodrigues Blog angefangen, würde gerne einen Link zu deinem Rodrigues Beitrag bei uns reinstellen, meld dich doch einfach und schau dir unsere Seite einfach mal an http://insel-rodrigues.blogspot.com
Solltest du dich nicht melden, mach ich es einfach in der Annahme, dass es dir nicht schaden kann, wenn mehr Leute deine Beiträge lesen...
Die Beschreibung von den Wahlen war sehr gelungen!
Lieben Gruß, wo immer du jetzt bist
Birgit
18 März, 2008 20:38
Ich glaub zwar nicht,dass ich dich über einen Kommentar erreiche, will es aber dennoch versuchen. Hab gerade beim blog googeln deinen Blog gefunden und das posting zu Rodrigues, was ich sehr witzig finde. Lebe selbst seit 10 Jahrenhier und habe vor 2 Wochen einen Rodrigues Blog angefangen, würde gerne einen Link zu deinem Rodrigues Beitrag bei uns reinstellen, meld dich doch einfach und schau dir unsere Seite einfach mal an http://insel-rodrigues.blogspot.com
Solltest du dich nicht melden, mach ich es einfach in der Annahme, dass es dir nicht schaden kann, wenn mehr Leute deine Beiträge lesen...
Die Beschreibung von den Wahlen war sehr gelungen!
Lieben Gruß, wo immer du jetzt bist
Birgit
18 März, 2008 20:40
Kommentar veröffentlichen
<< Home